Die Frauenunion, Kreisverband Rems-Murr, hatte
zu einem Besuch der staatlichen Lehr- und
Versuchsanstalt Weinsberg eingeladen. Trotz nicht
gerade freundlichem Wetter fanden sich zahlreiche
Frauen, darunter auch Dr. Paula Riede, zur Fahrt
nach Weinsberg ein. Die prächtige, herbstlich
eingefärbte Landschaft stimmte die Gruppe auf
das vor ihr liegende Erlebnis ein.
In Weinsberg angekommen bedankte sich Roswitha
Schenk, Kreisvorsitzende der FU, beim Direktor des
Staatsweingutes Weinsberg, Dr. Günter
Bäder, für dessen Einladung, der es sich
nicht nehmen liess, die Gruppe zu begleiten. Unter
seiner kundigen Führung besichtigten wir von
der Kelter bis zur Kellerei sämtliche
Räume, bestaunten Apparaturen aller Art und
bewunderten Holzfässer mit aufwendigen
Schnitzereien.
Dr. Bäder berichtete ausführlich
über die Ziele der Lehr- und Versuchsanstalt
und beantwortete die vielen Fragen der
interessierten Frauen. Die schon 1868
gegründete - damals noch unter den Namen
"Königlich Württembergische" -
Weinbauschule mit angeschlossenem Internat gilt in
Verbindung mit dem Weingut als Ideenschmiede
für neue Rebsorten, neue Produkte und neue
Vermarktungsstrategien.
So klingt es als selbstverständlich,
daß ein Weingut für die Qualität
seiner Weine ausgezeichnet wird; Weinsberg
erhält jedoch zusätzlich ständig
Preise für neue Vermarktungsstrategien.
Neue Produkte wie z.B. kalt gepresstes
Traubenkernöl, hochwertige Essige aus
Äpfeln und Wein, Weingelee und Pralinen,
gefüllt mit Barrique-Weinen, runden das
reichhaltige Angebot an hochkarätigen Weinen,
Bränden und Destillaten ab. Auch ein neu
kreirter Weincocktail aus Johannisbeeren und Wein
begeisterte die Gruppe. Nach so vielen Beweisen von
Innovation überraschte nicht, daß nun
sogar Tabletten mit Weintraubenkernextrakt (OPC)
angeboten werden.
Weinsberg verfügt über ca. 40 Hektar
für Obstanbau sowie über 40 Hektar
Rebfläche, davon 12 Hektar bei Burg Wildeck
für ökologischen Weinanbau. Insgesamt
werden 80 - 85 % trockene Weine ausgebaut.
Die Weinbauschule hat 80 Internatsplätze
und bildet zum Weinbau-Techniker oder zum staatlich
geprüften Wirtschafter aus. Jeweils 10 % der
Schüler sind Mädchen bzw. kommen aus dem
Ausland. Die Berufschancen der Abgänger sind
hervorragend. Aber auch gestandene Winzer
können ihr Wissen in Weinsberg stets auf den
neuesten Stand bringen. Die Lehrkräfte
unterrichten nicht nur, sondern haben auch Aufgaben
im Betrieb des Weingutes, so daß sie die
Praxis nie aus den Augen verlieren.
Unzählige Versuche und Entwicklungen, an
denen Weinsberg mitgearbeitet hat bzw. noch daran
arbeitet, sollen dazu beitragen, die Qualität
des Weines aus Deutschland ganz oben anzusiedeln.
Als Beispiel sei die Maischegärung genannt,
das Lagern in Eichenfässern, Versuche mit
Mostkonzentration, etc. Das Einsparen von
Insektiziden sowie Versuche mit verschiedenen
Düngungsmethoden und nicht zuletzt das
Entwickeln von neuen Rebsorten durch Kreuzung, wie
z.B. des Dornfelders, geben nur einen kleinen Teil
des Alltags dieser renommierten Lehr- und
Versuchsanstalt wieder.
Nach einer Fülle von Informationen fuhren
wir durch einen Laub-Farbreigen auf gewundenen
Pfaden nach Burg Wildeck. Die Burg, um ca. 1300
erbaut, steht trutzig auf einer von Wein
bewachsenen Anhöhe. Ursprünglich im
Besitz der Herren von Heinriet, kommt sie im 15.
Jahrhundert an die Grafen von Löwenstein. Im
Jahr 1653 schreibt Amtmann Carl Rudolf Banß:
in Burg Wildeck hätte es "einen ansehnlichen
großen Keller in ein Felsen gehauen, welch
voller Wein" läge. "Vom Weinberg umb das
Schloß gegen Aufgang, somit 20 Morgen, soll
ein kräftigen Trunkh tragen." Als Rebsorte
erwähnt er den Muscateller, was darauf
schliessen lässt, daß sie damals die
edelste Rebsorte war. Im Jahr 1933 erwirbt der
Württembergische Staat Burg Wildeck mit den
zugehörigen Rebflächen.
In dem mit viel Geschmack restaurierten Burgsaal
konnten wir genießen, was die Natur, gepaart
mit dem Wissen und Geschick des Staatsweingutes
Weinsberg, hervorgebracht hat. Fruchtige
Weißweine, darunter alte Rebsorten wie den
Muskateller oder den Traminer, vollmundige Rotweine
von Dornfelder über Samtrot bis zur neuen
Sorte Acolon, verbunden mit vielen weiteren
Informationen rundeten diesen gelungenen Ausflug in
die Welt des Weines ab.
Alle Beteiligten waren sich einig: "wir kommen
wieder!"
Christa Papsdorf
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